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Tiltelbild für den Bereich Liedgut im neuen Gotteslob

Das neue Gotteslob – Verkürzte
Liste unverändert übernommener Lieder

Hier finden Sie Anmerkungen zu einigen (durchaus nicht allen) Liedern, die aus dem alten Gotteslob unverändert ins neue übernommen wurden.

Sortieren nach:

Alte Liednummer: 56.1 Liedanfang: Herr Jesus, Du rufst die Menschen zur Umkehr Neue Liednummer: 163.4 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Das Lied war übrigens im alten Gotteslob identisch mit Nr. 495.4.


Alte Liednummer: 103 Liedanfang: Tau aus Himmelshöhn Neue Liednummer: 163.4 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Der einzige erhaltene Kyrie-Ruf auf diese Melodie.


Alte Liednummer: 132 Liedanfang: Es ist ein Ros entsprungen Neue Liednummer: 243 Liedtyp: Weihnachtslied

Das Lied hat von Hause aus eine kaum überschaubare Zahl an Strophen, sie erzählen eigentlich die ganze Weihnachtsgeschichte. Vielleicht könnte man die eine oder andere davon noch einschieben? Zum Beispiel:

Den Hirten brachte Kunde / davon der Engel Heer
und sagte, wo zur Stunde / Christus geboren wär:
Zu Bethlehem im Stall. / Das Kind alsbald sie fanden / Darum sich freuten all.

Ein Stern mit hellem Scheine / drei Kön'ge führt geschwind
aus Morgenland in Eile / zum neugebornen Kind.
Sie brachten reichen Sold / und opferten mir Freuden / ihm Weihrauch, Myrrh'n und Gold.

Die letztere Strophe würde sich doch gewiß eignen, um von Sternsingern vorgetragen zu werden, oder? Wäre doch mal was anderes im alljährlichen »Stern-über-Bethlehem«–Einerlei.


Alte Liednummer: 145 Liedanfang: Stille Nacht Neue Liednummer: 249 Liedtyp: Weihnachtslied

Eigentlich hat dieses Lied sechs Strophen. Vielleicht könnte man ja auf die Wünsche der zahlreichen treuen Kirchenbesucher eingehen und auch die fehlenden drei mit abdrucken? Hier sind sie:

Stille Nacht! Heilige Nacht! / Die der Welt Heil gebracht,
aus des Himmels goldenen Höh'n / uns der Gnade Fülle läßt sehn:
Jesum in Menschengestalt, Jesum in Menschengestalt.

Stille Nacht! Heilige Nacht! / Wo sich heut' alle Macht
väterlicher Liebe ergoß, / und als Bruder huldvoll umschloß
Jesus die Völker der Welt, Jesus die Völker der Welt.

Stille Nacht! Heilige Nacht! / Lange schon uns bedacht,
als der Herr, vom Grimme befreit, in der Väter urgrauer Zeit
aller Welt Schonung verhieß, aller Welt Schonung verhieß.


Alte Liednummer: 183 Liedanfang: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde Neue Liednummer: 460 Liedtyp: Passionslied

Die Angabe »bei Ch. E. H Cousemaker 1856« ist latent irreführend; Coussemaker war kein Komponist, sondern Neu-Herausgeber, und zwar hauptsächlich von älteren Musikstücken. Das Lied selbst ist also etliche Jahrhunderte älter als die Jahresangabe 1856 vermuten ließe. Im neuen Gotteslob wird es übrigens nicht als Passionslied geführt, sondern unter »Sendung und Nachfolge«.


Alte Liednummer: 216 Liedanfang: Singt das Lob dem Osterlamme Neue Liednummer: 320 Liedtyp: Passionslied

Da ist einem ungenannten Übersetzer wirklich ein großer Wurf gelungen: Eine wörtliche Übersetzung des lateinischen Textes, die außerdem noch exakt auf die syllabische Vertonung paßt, ist wohl nicht machbar. Aber dieses Werk scheint mir trotz dieser rhythmischen Anpassung optimal nah am Original zu sein. Bravo! Den Namen dieses Übersetzers hätte man wirklich nennen sollen.


Alte Liednummer: 220 Liedanfang: Das ist der Tag, den Gott gemacht Neue Liednummer: 329 Liedtyp: Osterlied

Schon der Text im alten Gotteslob ist gegenüber dem Original von Heinrich Bone »entschärft« worden. Daß die eigentliche erste Strophe nun ans Ende gesetzt wurde, mag man einordnen wie man will. Interessant aber: Die zweite und dritte Strophe hießen ursprünglich:

Verklärt ist alles Leid der Welt, / die Gräber sind vom Glanz erhellt.
Der Tod hat keinen Stachel mehr, / gebunden liegt das Höllenheer.

Geendet ist nun Kampf und Krieg, / errungen ist Triumph und Sieg.
Der Herr besiegte Grab und Tod, / erhob die Fahn im Morgenrot.

Die weiteren Strophen enthielten Vergleichbares. Auffällig: Daß die Hölle und der unerläßliche Kampf gegen sie schon im alten Gotteslob aus dem Lied gestrichen wurden. Ich darf Papst Johannes Paul II. zitieren: »Wer nicht an den Teufel (und damit auch an die Hölle) glaubt, glaubt nicht ans Evangelium.« Und die Heilige Schwester Faustyna berichtete nach ihrer (kirchlich anerkannten) Vision über die Hölle: »Dort sind meistens Seelen, die nicht an die Hölle geglaubt hatten.« Was also will man hier dem Kirchenvolk weismachen, und was will man damit erreichen?


Alte Liednummer: 223 Liedanfang: Wir wollen alle fröhlich sein Neue Liednummer: 326 Liedtyp: Osterlied

Da ist aber den Gotteslob-Machern etwas entgangen! Nicht nur, daß – im Gegensatz zu etlichen anderen Liedern – die Ausmerzung des Wortes »Hölle« versäumt wurde. In der dritten Strophe wird sogar behauptet, Jesus habe »zerstört der Höllen Pfort« und »die Seinen all herausgeführt«. Ich hatte eigentlich gedacht, der Passus »hinabgestiegen zu der Hölle« sei mit geschliffener Begründung als theologisch falsch erklärt und aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis gestrichen worden?


Alte Liednummer: 224 Liedanfang: Vom Tode heut erstanden ist Neue Liednummer: 324 Liedtyp: Osterlied

Das ursprüngliche Lied – der Hymnus »Surrexit Christus hodie« – war nur für die erste Strophe Vorlage. Die weiteren Strophen haben mit dem Hymnus nichts zu tun; warum keine Nachdichtung des (völlig unverfänglichen) lateinischen Originaltextes aufgenommen wurde, ist nicht ersichtlich.


Alte Liednummer: 249 Liedanfang: Der Geist des Herrn erfüllt das All Neue Liednummer: 347 Liedtyp: Pfingstlied

Die Melodie stammt von dem (inzwischen gestrichenen) Lied »Zieh an die Macht, du Arm des Herrn«. Der Text erscheint mir etwas angreifbar. Ist Christus wirklich ein Pilger und die Kirche Sein Pilgerkleid? Oder – fast schon scholastisch –: Lobt Christus Gott? Ich dachte, das wäre Er selber? Und das ist meinem Eindruck nach nur eine von vielen überdenkenswerten Passagen. Immerhin – ich bleibe dabei: Die meisten Gottesdienstbesucher (leider insbesondere die allertreuesten) versuchen sowieso erst gar nicht, die Texte in bezug auf ihre Aussage hundertprozentig zu durchschauen. Also sei's drum.


Alte Liednummer: 250 Liedanfang: Komm, o Tröster, Heilger Geist Neue Liednummer: 349 Liedtyp: Pfingstlied

Der ursprüngliche Text aus dem 16. Jahrhundert (vielleicht einigen an manchen Stellen zu sehr »rührend unbeholfen«, aber durchaus erhaltenswert) findet sich etwa unter diesem Link.


Alte Liednummer: 259 Liedanfang: Erfreue dich, Himmel Neue Liednummer: 467 Liedtyp: Loblied

Das Lied war ursprünglich ein zweistrophiges Weihnachtslied. Es bestand aus der heutigen ersten und der letzten Strophe; die zweite (heutige sechste) Strophe endete mit »Das Kind in der Krippe, das wollen wir loben«. – Das neue Layout läßt sinnvollerweise nicht mehr so viel Platz zwischen Strophen und Kehrvers. Die früher bestehende Lücke verführte rein optisch zum Einlegen einer längeren Pause, die selbst resoluteste Organisten nicht aus der Welt schaffen konnten. Mir gelang es nicht einmal mit Trio-Begleitung.


Alte Liednummer: 261 Liedanfang: Den Herren will ich loben Neue Liednummer: 395 Liedtyp: Loblied

Die Magnificat-Verse über Gottes unnachsichtige Machtentfaltung gegenüber Seinen Feinden: »Er vollbringt mit Seinem Arm machtvolle Taten / Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. / Er stürzt die Mächtigen vom Thron / und erhöht die Niedrigen.« sind hier nur in stark abgeschwächter Form wiederzufinden. Entsprechend zu anderen Umtextungen nicht nur dieser Verfasserin. – Apropos: Vor einiger Zeit feierte ich eine Heilige Messe mit, in welcher der Magnificat-Text für den Antwortgesang nach der ersten Lesung verwendet wurde. Genau die erwähnten Verse wurden aber weggelassen. Ich hakte also beim Zelebranten nach: Daß Texte für einen solchen Antwortgesang (im Normallfalle Psalmen) aus Zeitgründen auf Teilabschnitte verkürzt werden müßten, sei mir bekannt und auch nachvollziehbar; ich würde aber gerne wissen, warum er gerade diese zwei Verse herausgenommen hätte. Antwort: Das mit dem notwendigen Verkürzen hätte ich richtig erkannt. Auf meine eigentliche Frage erhielt ich erst gar keine Antwort. Und das ist bekanntlich auch eine Antwort.


Alte Liednummer: 265 Liedanfang: Nun lobet Gott im hohen Thron Neue Liednummer: 393 Liedtyp: Loblied

Wer genau liest, findet als Textdichter-Angabe »Nach Caspar Uhlenberg«. Einzige Veränderung gegenüber dem Originaltext (die schon im alten Gotteslob stand): In der zweiten Zeile der ersten Strophe heißt es im Gotteslob »ihr Menschen allen Nation« statt wie bei Uhlenberg »ihr Völker allen Nation«.


Alte Liednummer: 266 Liedanfang: Nun danket alle Gott Neue Liednummer: 405 Liedtyp: Danklied

Der Text ist gegenüber dem Original von Martin Rinckart (nachzulesen z.B. hier) an die moderne Sprache angepaßt. Das ursprünglich als »Lied zu Tisch« gedachte Lied wurde unter anderem bekannt als der »Choral von Leuthen«, den preußische Soldaten 1757 spontan nach einer gewonnenen Schlacht gegen die Österreicher anstimmten.


Alte Liednummer: 267 Liedanfang: Nun danket all und bringet Ehr Neue Liednummer: 403 Liedtyp: Danklied

Das Lied hatte ursprünglich zwei weitere Strophen zwischen der heutigen zweiten und dritten Strophe; sie können zum Beispiel unter diesem Link nachgelesen werden.


Alte Liednummer: 268 Liedanfang: Singt dem Herrn ein neues Lied Neue Liednummer: 409 Liedtyp: Loblied

Der Komponist Adolf Lohmann, dem wir zahlreiche wunderschöne Lieder verdanken, wollte möglicherweise mit der eigenwilligen rhythmischen Gestaltung die überschäumende Freude über Gottes Wohltaten an den Menschen wahrnehmbar machen. Und man muß ihm eines lassen: Wenn die Sänger dem hohen rhythmischen Anspruch gewachsen sind, kann man diese Freude auch deutlich heraushören. Nur: Meine Erfahrung in etlichen Gemeinden hat mir gezeigt, daß die weitaus meisten dem eben nicht gewachsen sind. (Kann man daraus womöglich schließen, daß Lohmann einen Gebrauch durch einfache Gottesdienstbesucher gar nicht vorgesehen hatte?) Als Folge davon hat der Organist die Wahl: Entweder läßt er es geschehen, daß die Gemeinde den Rhythmus notentextwidrig glättet (und damit dem Lied den Pfiff nimmt), oder er verhindert das mit dem Einsatz brutaler Orgel-Lautstärke. In beiden Fällen so eine Art musikalische Variante von Bartholomeus Breenberghs Bild »Jakob worstelt mit de engel« – und damit schade um das schöne Lied.


Alte Liednummer: 270 Liedanfang: Kommt herbei, singt dem Herrn Neue Liednummer: 140 Liedtyp: Loblied

Die Melodie gehört ursprünglich zu einem Volkslied aus Israel. Sie ist also profaner Herkunft und dürfte (laut Trienter Konzilsbeschluß) eigentlich nicht im Gottesdienst gesungen werden, aber das wendet man auf andere Lieder wie »O Haupt voll Blut und Wunden« oder »O wunderbare Speise« ja auch nicht an. Laut http://www.liederdatenbank.de/song/9616 soll sich der Text des besagten israelischen Volksliedes auf den achten Vers des zweiten Kapitels aus dem Hohenlied beziehen. Dieser lautet zunächst einmal ganz unverfänglich: »Da ist die Stimme meines Freundes! Siehe, er kommt und hüpft über die Berge und springt über die Hügel.« (Lutherbibel) Interesant wird es, wenn man noch den vorherigen Vers dazunimmt: »Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, (...) daß ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt.« Bei solchen Aussichten ist es natürlich kein Wunder, wenn er so augelassen hüpft und springt. Ob sich daraus auch eine Beziehung zu liturgischem Geschehen herleiten läßt (wie es für sakrale Musik vorgeschrieben wäre), soll nicht weiter untersucht werden.


Alte Liednummer: 292 Liedanfang: Herr, Dir ist nichts verborgen Neue Liednummer: 428 Liedtyp: Vertrauen, Bitte

Eine stellenweise wirklich gute Übertragung von Psalm 139. Gleichwohl zwei Anmerkungen. Erstens: Die vierte Zeile in der vierten Strophe (»...hast mir bestimmt mein Los...«) ist mißverständlich, man könnte sie so interpretieren, als sei der gesamte Verlauf unseres Lebens durch unseren freien Willen nicht beeinflußbar (wie es in anderen Religionen tatsächlich gelehrt wird). Zweitens: Auch hier wird die Pflicht zum aktiven Widerstand gegen die Feinde Gottes im Lied ausgeklammert, obwohl sie vom Psalm immerhin vier Verse lang thematisiert wird:

»(19) Ach, wolltest Du, Gott, den Frevler doch schlagen, / wollten die Blutbefleckten weichen von mir!
(20) Sie widersetzen sich Dir voll der Tücke, / überheben sich treulos als Deine Feinde!
(21) Sollen mir nicht verhaßt sein, die Dich hassen, o Herr? / Sollen mir zum Greuel nicht sein, die gegen Dich aufstehen?
(22) Ja, hassen will ich sie mit glühendem Haß, / sie wurden mir selber zu Feinden.«


Alte Liednummer: 298 Liedanfang: Herr, unser Herr, wie bist Du zugegen Neue Liednummer: 414 Liedtyp: Vertrauen, Bitte

Laut http://huuboosterhuis.de/herr--unser-herr.460.html zum Bibelplatz Psalm 57,2: »Ich rufe zu dem Höchsten, dem Herrn, / zu Gott, der mir Gutes getan.« So etwas steht in vielen Psalmen; der Rest des Psalms (in der Benedikt-Bibel überschrieben mit »Unter Löwen«) hat mit dem Liedtext nicht viel gemein. Ob das niederländische Volkslied, das der Melodie zugrunde liegt, profan oder sakral ist, habe ich nicht feststellen können.


Alte Liednummer: 310 Liedanfang: Verleih uns Frieden gnädiglich Neue Liednummer: 475 Liedtyp: Vertrauen, Bitte

Eine sehr detaillierte und fundierte Untersuchung über Luthers Bearbeitung dieses Liedes findet sich unter diesem Link. – Noch eine Hintergrundinformation: Das Lied ist datiert auf das Jahr 1529, als die Türken zum ersten Mal vor Wien standen, nachdem sie drei Jahre zuvor in der ersten Schlacht von Mohács die Ungarn vernichtend geschlagen und so deren Land zu großen Teilen erobert hatten. Luthers Einstellung zu den Türken in der Zeit davor wird in der Wochenzeitung »Die Zeit« vom 26.12.2016 wie folgt beschrieben: »Das Osmanische Reich war eine Großmacht, die Europa seit der Mitte des 15. Jahrhunderts immer stärker bedrängte. Für Luther stand dies in einem geschichtstheologischen Horizont; er sah darin eine Züchtigung Gottes, der die Türken als "Strafrute" über der unbußfertigen Christenheit niedergehen ließ. Daher lehnte er auch den militärischen Kampf gegen die Osmanen ab; es gelte vielmehr, gegen die eigenen Sünden, nicht aber gegen die "Rute", mit der Gott strafe, anzukämpfen.« In der 1528 veröffentlichten Schrift »Vom Kriege wider die Türken« schreibt er hingegen: »Die Veranlassung zu dieser Schrift war die Besorgniß vor einem Einfalle der Türken in Deutschland und der durch einige Prediger erzeugte Wahn, man solle und dürfe den Türken nicht widerstehen.« In Wahrheit profitierte Luther sogar von der türkischen Bedrohung; zum Versuch einer zweiten Belagerung Wiens im Jahr 1532 schreibt https://www.kuenker.de: »Als Süleyman (der Prächtige, Sultan des osmanischen Reiches, Anm. d. Verf.) 1532 ein zweites Heer schickte, kam es nicht bis Wien. Es wurde bei der Schlacht von Fahrawald vernichtet. Dies lag vor allem daran, dass Karl V. die Reichstruppen hatte aufbieten können, wofür er mit den reformierten Fürsten den Nürnberger Religionsfrieden schließen musste. Die Reformation hätte sich im Deutschen Reich wohl nicht so schnell durchgesetzt, hätte Karl V. seinem Bruder Ferdinand I. nicht die Türken vom Halse halten müssen.« Daß Luther in diesem Lied mehr oder minder Gott selbst zum Eingreifen auffordert, mag jeder nach Geschmack einordnen. Der katholische Kaiser – nach Luthers Lehre immerhin ein Helfershelfer des Papstes und damit des Teufels –, dessen Truppen Luther letzlich seine eigene Sicherheit zu verdanken hatte, wird dadurch jedenfalls elegant aus dem Spiel genommen.


Alte Liednummer: 311 Liedanfang: Mit lauter Stimme ruf ich zum Herrn Neue Liednummer: 162 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Eine schöne Idee, einen Psalmauszug zur Kyrie-Litanei auszubauen, und auch sinnvoll durchgeführt: Das »Herr, erbarme Dich meiner« ist für die Gemeinde leicht zu lernen, die Zwischentexte für den Kantor reizvoll vertont. Natürlich hat das ursprüngliche »Kyrie eleison« einen ganz anderen Sinn als »Herr, erbarme Dich meiner« und paßt von da her nicht zum Inhalt des Psalms. (Man ersetze mal probehalber in dem Weihnachtslied »Gelobet seist Du, Jesus Christ« das abschließende »Kyrieleis« durch »Herr, erbarme Dich meiner«.)
Im neuen Gotteslob wird dieses Lied als »neues geistliches Lied« geführt; es wurde dementsprechend um Akkordvorschläge für Gitarrenbegleitung ergänzt.


Alte Liednummer: 358.3 Liedanfang: Herr, erbarme Dich Neue Liednummer: 181.1 Liedtyp: Fürb.-Akklamation

Das tut weh! Die Melodie ist eindeutig der ohnehin schon sehr schlicht komponierten XVI. Choralmesse entlehnt und noch weiter simplifiziert worden. Nun gut, so was kommt auch anderswo vor. Unverzeihlich aber: Es handelt sich um eine Choralmesse im 3. Kirchenton, also phrygisch. Und was macht der Tonsetzer? Er unterlegt eine Durbegleitung! Nicht minder peinlich: Verschiedene verantwortliche (oder soll ich sagen: verantwortungslose) Kirchenmusiker übten das ... auch noch mit dem Kirchenchor, oft sogar mit der Gemeinde ein. Das alte Gotteslob war wenigstens diskret genug, den Bearbeiter der gregorianischen Melodie (der auch Verfasser des Chorsatzes ist) zu verschweigen. Aber die Schamschwelle sinkt offenbar nicht nur bei Filmschaffenden.

Hier ein Vorschlag für einen korrekteren Liedsatz:

Notentext für einen Vorschlag zur Korrektur des Liedsatzes

Das dis am Ende in der Altstimme ist zugegebenermaßen nach strengen gregorianischen Maßstäben auch nicht hundertprozentig korrekt, aber verbreitet; als Kompromiß habe ich es eingeklammert. Immerhin steht ein H-Dur-Schlußakkord dem phrygischen Original näher als ein G-Dur. Fast noch schlimmer: Manche Organisten erweitern dieses G-Dur allen Ernstes noch durch ein zusätzliches fis zu einem Gmaj7-Akkord, der nun wirklich nicht gregorianisch ist.


Alte Liednummer: 401 bis 405 Liedanfang: Missa mundi Neue Liednummer: 104 bis 107 Liedtyp: Choralmesse

Die sogenannte »Missa mundi« gehört nicht zu den 18 Choralmessen, die als fester Kanon mit Zuordnung zu bestimmten Gelegenheiten im Liber usualis und im Graduale Romanum aufgeführt sind. Sie wurde Anfang der 1960er Jahre aus Einzelgesängen zusammengestellt, die verschiedenen dieser 18 Choralmessen entnommen waren, und 1965 erstmals veröffentlicht, jedoch erst 1975 (im alten Gotteslob) unter dem heutigen Namen. Hauptsächliches Auswahlkriterium war vermutlich möglichst leichte Singbarkeit. Dadurch stehen die einzelnen Teile in unterschiedlichen Tonarten; beim Sanctus und beim Agnus Dei, die aus der 18. Choralmesse stammen, fehlt sogar (wie auch in den beiden Choralbüchern) eine Tonartangabe. Ohnehin ist die Tonart der 18. Choralmesse (der diese beiden Teile entnommen sind) im Gegensatz zu anderen Choralmessen nicht einheitlich; hier ist seitens der Organisten bzw. Orgelbuchverfasser Eigenverantwortung gefragt. Das kann freilich nicht entschuldigen, daß viele davon dem eindeutig phrygischen Kyrie und Gloria Durbegleitungen unterlegen.

Um das tonartliche Durcheinander komplett zu machen, hat man dem Kyrie sogar noch ein es vorgezeichnet; wer das einhält und, wie es sich gehören würde, als Schlußakkord einen solchen mit dem Finalis a als Grundton spielt, produziert einen ziemlichen Mißklang mit dem Tritonus a-es. Ich habe sogar schon Organisten gehört, die das fälschlich gespielte abschließende F-Dur noch mit einem zusätzlichen e (nicht es!) zu einem Fmaj7-Akkord erweitern, der in gregorianischer Musik erst recht nichts verloren hat.


Alte Liednummer: 405 bis 409 Liedanfang: Missa de Angelis Neue Liednummer: 108 bis 112 Liedtyp: Choralmesse

Die Erfahrung zeigt, daß gerade auch diese Choralmesse – im Liber usualis und im Graduale Romanum als achte geführt – trotz (oder sogar wegen?) ihrer opulenten Melismen, etwa im Kyrie, von vielen Gemeinden gerne gesungen wird. Insofern wäre ein Konstrukt wie die Missa mundi (deren sämtliche Teile aus Choralmessen stammen, welche laut Liber usualis sowieso nur für Werktage vorgesehen sind) eigentlich überflüsig. – Daß die eigentlich im fünfte und sechsten Kirchenton stehenden Melodien kurzerhand in den entsprechenden Durtonarten notiert sind, ist wohl dem Pragmatismus geschuldet. Am Klang ändert sich dadurch nichts. Und ich gehe mal davon aus, daß unsere Organisten ihre Begleitungen kirchentonal korrekt anlegen. Optimismus ist ja kein Straftatbestand.


Alte Liednummer: 410 bis 414 Liedanfang: Missa Lux et origo Neue Liednummer: 113 bis 116 Liedtyp: Choralmesse

Diese Choralmesse – im Liber usualis und im Graduale Romanum als erste geführt – ist ursprünglich für die Osterzeit reserviert gewesen. Sie enthielt deswegen als einzige ein feierliches »Ite, missa est, alleluia«. Dieses findet sich in beiden Gotteslobausgaben, allerdings nicht bei den Choralmessen, sondern bei den allgemeinen Gesängen zur Heiligen Messe, im alten Gotteslob unter Nr. 379.3 und im neuen unter Nr. 591.7.


Alte Liednummer: 415 bis 418 Liedanfang: Missa Adventus et Quadragesima Neue Liednummer: 117 bis 120 Liedtyp: Choralmesse

Daß diese Choralmesse – im Liber usualis und im Graduale Romanum als siebzehnte geführt – kein Gloria enthält, ist nicht etwa die Folge einer Streichung oder sonstigen eigenmächtigen Maßnahme. Die »Missa Adventus et Quadragesima« ist, wie der Name schon sagt, für Advent und Fastenzeit bestimmt, wo die Liturgie a priori kein Gloria vorsieht. Das eigentlich vorgesehene Kyrie ist durch eine im Liber usualis für diese Messe ausdrücklich angebotene Alternative ersetzt worden. Das macht Sinn, weil die Tonart dieser Alternative den Tonarten von Sanctus und Agnus Dei entspricht. Das »Ite, missa est« entstand durch nachträgliche Unterlegung des Textes unter die Melodie des früher für Advent und Fastenzeit vorgesehenen »Benedicamus Domino«.


Alte Liednummer: 423 Liedanfang: Credo in unum Deum Neue Liednummer: 122 Liedtyp: Credo (Ch.)

Unter den sechs Credo-Vertonungen aus dem Liber usualis sicherlich die bekannteste, weil eingängigste. Vorsicht: Der kleingedruckte Text ist keine exakte Übersetzung, sondern einfach der deutsche Text des Großen Glaubensbekenntnisses.


Alte Liednummer: 424.1 Liedanfang: Asperges me Neue Liednummer: 124 Liedtyp: Greg. Gesang

Auch hier: Der deutsche Text ist keine exakte Übersetzung des lateinischen, so fehlt gleich in der ersten Zeile die Erwähnung des Ysop. Und: »Asperges me« bedeutet »Du wirst mich besprengen« und nicht »Besprenge mich«. Ebenso: »Lavabis me« bedeutet »Du wirst mich waschen« und nicht »Wasche mich«. Rührend: Im alten Gotteslob wurde »Asperges« durch »Asperge« ersetzt, was zwar eine eigenmächtige Veränderung ist, aber auf deutsch tatsächlich »Besprenge« heißt. Erfreulich: Der im alten Gotteslob fehlende Vers »Miserere mei...« (den der Liber usualis zwingend vorschreibt) wurde im neuen ergänzt, das ebenso vorgeschriebene »Gloria Patri...« fehlt weiterhin. – Die im Gotteslob stehende Melodie wird im Liber usualis nur als (vereinfachte) Alternative angeboten. Die ursprüngliche findet sich zum Beispiel unter diesem Link.


Alte Liednummer: 424.2 Liedanfang: Vidi aquam Neue Liednummer: 125.1 Liedtyp: Greg. Gesang

Der Kehrvers benutzt im neuen Gotteslob die ursprüngliche Textversion »Alleluia« statt wie im alten »Halleluja«. Der zugehörige Vers »Confitemini Domino...« (Psalm 118.1) fehlt im alten Gotteslob und wird im neuen unter Nr. 125.2 quasi nachgeliefert. Das folgende »Gloria Patri...« fehlt in beiden Gotteslob-Fassungen; in der neuen steht aber als zweiter Vers »Haec est dies...« (Psalm 118.24). Ob beide Verse nacheinander gesungen werden sollen oder nur einer (und nach welchen Kriterien derselbe auszuwählen ist), geht aus dem Buch nicht hervor.


Alte Liednummer: 425 bis 428 Liedanfang: Alban-Messe Neue Liednummer: 126 bis 127 Liedtyp: Deutsche Messe

Die Messe wird ohne Gloria– und Agnus-Dei-Lied angegeben. Überlegungen zu den möglichen Gründen dafür unter diesem Link. – Zur Tonart sagt das Gotteslob in beiden Ausgaben nichts; man könnte alle Lieder kirchentonal (phrygisch) oder in Dur begleiten. Schade, daß man den Willen des Komponisten nicht erfährt; so muß man damit rechnen, daß ohne böse Abicht dagegen verstoßen wird.


Alte Liednummer: 429 bis 432 Liedanfang: Florian-Messe Neue Liednummer: 134 bis 136 Liedtyp: Deutsche Messe

Die Messe wird ohne Gloria-Lied angegeben. Überlegungen zu den möglichen Gründen dafür unter diesem Link. – Zur Tonart sagt das Gotteslob in beiden Ausgaben nichts; man könnte alle Lieder kirchentonal (phrygisch) oder in Dur begleiten. Schade, daß man den Willen des Komponisten nicht erfährt; so muß man damit rechnen, daß ohne böse Abicht dagegen verstoßen wird.


Alte Liednummer: 433 bis 435 Liedanfang: Leopold-Messe Neue Liednummer: 137 bis 139 Liedtyp: Deutsche Messe

Diese Messe enthielt schon im alten Gotteslob kein Glorialied.


Alte Liednummer: 436 bis 439 Liedanfang: Paulus-Messe Neue Liednummer: 130 bis 133 Liedtyp: Deutsche Messe


Alte Liednummer: 440 bis 442 Liedanfang: Mainzer-Dom-Messe Neue Liednummer: 128 bis 129 Liedtyp: Deutsche Messe

Das im alten Gotteslob stehende Agnus-Dei-Lied wurde gestrichen, ein Glorialied war schon dort nicht aufgeführt. Bemerkenswert: Diese deutsche Messe verwendet im Sanctus-Lied als einzige nicht den exakten liturgischen Text.


Alte Liednummer: 447 Liedanfang: Apostolisches Glaubensbekenntnis Neue Liednummer: 179 Liedtyp: Credolied

Das alte Gotteslob enthielt drei Vertonungen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses unter den Nummern 447, 448 und 479. Von diesen wurde nur Nr. 447 unverändert übernommen. 448 findet sich mit neuer Melodie und leicht verändertem Text unter Nr. 178(neu). Nr. 479 wurde ganz gestrichen, dafür mit Nr. 177(neu) eine ganz neue Vertonung aufgenommen.


Alte Liednummer: 454 Liedanfang: Herr, erbarme Dich unser Neue Liednummer: 151 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Wäre ja auch schade drum gewesen!


Alte Liednummer: 463 Liedanfang: Herr, erbarme Dich Neue Liednummer: 153 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Eine weitere Übertragung des Kyrie aus der 16. Choralmesse, das auch in die »Missa mundi« übernommen wurde. Im Vergleich zu Nr. 358.3(alt) bzw. 181.1(neu) fällt auf, daß Aufbau und Melodieführung näher am gregorianischen Original sind.


Alte Liednummer: 464 Liedanfang: Gott in der Höh' sei Preis und Ehr' Neue Liednummer: 172 Liedtyp: Kyrie-Ruf

Als Taktart wurde 6/4 angegeben, jedoch ist zu beachten, daß auch drei Hemiolen vorkommen. Das alte Gotteslob deutete das an, indem als möglicher Grundschlag sowohl die halbe Note als aus die punktierte Halbe angegeben wurden. Zu befürchten ist, daß mit den Hemiolen ein reizvoller rhythmischer Farbtupfer aus dem Bewußtsein verloren geht.


Alte Liednummer: 469 Liedanfang: Heilig ist Gott in Herrlichkeit Neue Liednummer: 199 Liedtyp: Sanctuslied

Bemerkenswert: Dieses Lied ist den Pausenstreichern aus unerfindlichen Gründen entkommen. Wohlan.


Alte Liednummer: 470 Liedanfang: O Lamm Gottes unschuldig Neue Liednummer: 203 Liedtyp: Agnus-Dei-Lied

Im neuen Gotteslob wird lobenswerterweise versucht, die Entwicklung der Melodie mit mehreren Zwischenstationen seit Nikolaus Decius anzudeuten. In wikipedia gibt es über dieses Lied sogar einen eigenen Artikel.


Alte Liednummer: 473 Liedanfang: Im Frieden Dein, o Herre mein Neue Liednummer: 216 Liedtyp: Entlassungslied

Die früher in manchen Bistümern ganz oder teilweise gesungene Melodiebearbeitung durch Melchior Vulpius wurde schon im alten Gotteslob durch die (vermutlich) ursprüngliche Fassung ersetzt.


Alte Liednummer: 476 Liedanfang: Dir, Gott im Himmel, Preis und Ehr Neue Liednummer: 167 Liedtyp: Glorialied

Die angegebene Herkunft der Melodie vom Gloria der 1. Choralmesse (Liber usualis und Graduale Romanum) bzw. der 3. Choralmesse (Gotteslob) ist nur mit sehr genauem Hinsehen zu erkennen. Da hat der Bearbeiter Nikolaus Decius etwas wirklich Eingängiges zustande gebracht.


Alte Liednummer: 482 Liedanfang: Christe, Du Lamm Gottes Neue Liednummer: 208 Liedtyp: Agnus-Dei-Lied

Die unter Organisten verbreitete Angewohnheit, das Lied (entsprechend dem Orgelbuch) in F-Dur zu begleiten und dabei den ersten und zweiten Ruf mit einem Halbschluß (C-Dur), den dritten hingegen mit einem unvermittelt auftauchenden g-moll-Akkord zu beenden (vielfach auch G-Dur), erscheint angesichts des Alters (Melodie spätestens 1528 komponiert) eher zweifelhaft. Allerdings: Zugegebenermaßen klingt der Melodieanfang für unsere heutigen Ohren sehr nach F-Dur. Also sei's drum.


Alte Liednummer: 483 Liedanfang: Wir rühmen Dich, König der Herrlichkeit Neue Liednummer: 211 Liedtyp: Kommunionlied

Hoppla! Da ist wohl mit dem Textdichter die »Ökumene«-Euphorie der 1960er Jahre durchgegangen. Die katholische Lehre von der Realpräsenz Christi in der Eucharistie verschwindet hinter Ausdrücken wie »im heiligen Brot« (4. Strophe) und »Becher der Herrlichkeit« (5. Strophe). Den Beginn der 7. Strophe (»Du Nahrung auf unserer Pilgerschaft«) könnte man zur Not als Relativierung verstehen, aber wirklich nur zur Not – auch protestantischerseits wurde er nicht als Hindernis gesehen, dem Gebrauch dieses Liedes als ökumenisches Lied zuzustimmen.
Zur Ehrenrettung des Textdichters sei allerdings gesagt: Irgendwann einige Jahre nach 2000 sah ich im Schaukasten einer Schwarzwälder Pfarrkirche einen Brief eines hochrangigen Geistlichen an die Erstkommunikanten, in welchem nur vom »heiligen Brot«, nirgends aber vom Leib Christi die Rede war.
Liebe Leute: Religion ist kein Selbstbedienungsladen, sondern verlangt Glauben ohne Wenn und Aber! Wer Angst hat, mit der Verkündigung des Glaubens anzuecken, soll halt still sein, anstatt den Glauben zu verwässern.


Alte Liednummer: 494 Liedanfang: Gott sei gelobet und gebenedeiet Neue Liednummer: 215 Liedtyp: Kommunionlied (Danklied)

Ursprünglich ein Fronleichnamslied, wurde es von Martin Luther bearbeitet (vor allem in eine für uns heute verständliche Sprache übertragen). Die nochmaligen Abänderungen gegenüber Luthers Text sind in der ersten Hälfte jeder Strophe reine Formulierungsvarianten; statt des Refrains aus dem Gotteslob gibt Luther für jede Strophe weitere eigene Texte an.


Alte Liednummer: 502 Liedanfang: Christe, Du Lamm Gottes Neue Liednummer: 204 Liedtyp: Agnus-Dei-Lied

Einzige Änderung: Ein platzsparenderes Layout.


Alte Liednummer: 523 Liedanfang: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld Neue Liednummer: 161 Liedtyp: Kyrie-Litanei

Bei der mehrfach gesungenen Zeile »Du machst uns aus Knechten zu Freunden« ist die Phantasie der Genderakrobaten offenbar an ihre Grenzen gestoßen. Vorschlag für die nächste Überklebeaktion: »Du wandelst das Dienen in Freundschaft«.


Alte Liednummer: 524 Liedanfang: Gott des Vaters ewger Sohn Neue Liednummer: 160 Liedtyp: Kyrie-Litanei

Ergänzung: Die angegebene Melodie ist meines Wisens wenig bekannt; der Text läßt sich aber alternativ auch auf die Melodie von »Der in Seinem Wort uns hält« bzw. »Send uns Deines Geistes Kraft« (im neuen Gotteslob Nr 164 und 165) singen.


Alte Liednummer: 546 Liedanfang: Gottheit tief verborgen Neue Liednummer: 497 Liedtyp: Sakramentslied

Als Reverenz an alle Oberlehrer: Die Schreibweise des ungläubigen Apostels wurde von »Tomas« in »Thomas« geändert. Die Herkunft beider Schreibweisen aus dem Aramäischen und Griechischen soll nicht weiter ausgeführt werden. Das ist doch für die erwähnten Oberlehrer ein schönes Problem zum Knobeln bei Regenwetter.


Alte Liednummer: 554 Liedanfang: Wie schön leuchtet der Morgenstern Neue Liednummer: 357 Liedtyp: Christuslied

Für uns Heutige ist das Lied gar nicht so einfach zu singen: Wer den Text der verschiedenen Strophen vergleicht, wird feststellen, daß je nach Strophe unterschiedliche Betonungen zu setzen sind. Beispiele (die betonten Silben sind fett gedruckt und unterstrichen):

Strophe 2, Zeile 1: Du meine Perl, du werte Kron. (Betone Silben 2, 4, 6 und 8)
Strophe 5, Zeile 1: Herr Gott Vater, mein starker Held. (Betone Silben 1, 3, 6 und 8)
Strophe 6, Zeile 1:Stimmt die Saiten der Kitara. (Betone Silben 1, 3 und 7)

Will heißen: Die Betonung ist für jede Strophe neu zu setzen, und folglich ist es auch nicht möglich, die Melodie in ein festes Metrum zu bringen. Kurz gesagt: Reizvoll, aber – wenn es richtig werden soll – anspruchsvoll.


Alte Liednummer: 571 Liedanfang: Salve, Regina Neue Liednummer: 666.4 Liedtyp: Marienlied

Die älteste erhaltene Niederschrift dieser marianischen Antiphon stammt aus dem Kloster der Bodenseeinsel Reichenau aus dem 11. Jahrhundert. Ob der Text dort auch verfaßt wurde (im Gespräch war als Autor der bekannte Mönch Hermann der Lahme), ist nicht sicher. – Die Melodie im Gotteslob stammt von dem belgischen Komponisten Henri Dumont aus dem 17. Jahrhundert. Zu dieser existiert eine Variante, die durch Hinzunahme einiger Neumen etwas feierlicher wirkt und als »Kölner Weise« früher im Rheinland häufig gesungen wurde.
Eine gregorianische (möglicherweise die originale) Melodie steht im Liber usualis; in moderne Notation umgeschrieben lautet sie:

Salve Regina mit alternativer gregorianischer Melodie, umgeschrieben in moderne Notation

Natürlich kann diese Umschreibung nicht die differenzierten Vortragsanweisungen der alten Neumen-Notation wiedergeben. Wer Interese daran hat, kann sich auch unter diesem Link eine *.pdf-Datei herunterladen, in welcher der ganze Liber usualis in alter Notation hinterlegt ist. Das gregorianische Salve Regina steht auf Seite 400 dieser *.pdf-Datei. (Vorsicht: Sie hat stolze 115 Megabyte!)

Man kann die gregorianische Fassung des »Salve Regina« übrigens auch unter diesem Link anhören.


Alte Liednummer: 573 Liedanfang: Gegrüßet seist Du, Königin Neue Liednummer: 536 Liedtyp: Marienlied

Als Verfasser des Textes ist Johann Georg Seidenbusch angegeben. Sein Original (unter diesem Link anzusehen) ist aber sehr stark bearbeitet worden; unter anderem wurden Seidenbuschs dreizehn Strophen auf sechs reduziert. Und ein Hoch auf den Bearbeiter: Trotz dieser Verkürzung sind die Inhalte der ursprünglichen »Salve Regina«-Antiphon bis auf unwesentliche Kleinigkeiten vollständig enthalten.
Mit diesem Lied verbindet sich übrigens eine Erinnerung, die schlagend beweist, wie wenig ein großer Teil der Gottesdienstbesucher am Verstehen der Texte interessiert ist: Eines Tages (vermutlich in einer Maiandacht) hörte ich von einem inbrünstig Mitsingenden die Worte: »Er hat 'ne Frau und Herrscherin.«


Alte Liednummer: 574 Liedanfang: Regina caeli Neue Liednummer: 666.3 Liedtyp: Marienlied

Diese marianische Antiphon stammt mit Text und gregorianischer Melodie aus dem 12. Jahrhundert. Die Melodie im Gotteslob stammt aus dem 16. Jahrhundert; sie basiert aber auf der gregorianischen Fassung, die – jedenfalls zu Anfang – noch gut wiederzuerkennen ist. Der Text im Gotteslob wurde insofern verändert, als das »Halleluja« durch »Alleluia« (wie im Lateinischen üblich) ersetzt wurde.
Die originale gregorianische Melodie steht im Liber usualis; in moderne Notation umgeschrieben lautet sie:

Regina caeli mit originaler gregorianischer Melodie, umgeschrieben in moderne Notation

Natürlich kann diese Umschreibung nicht die differenzierten Vortragsanweisungen der alten Neumen-Notation wiedergeben. Wer Interese daran hat, kann sich auch unter diesem Link eine *.pdf-Datei herunterladen, in welcher der ganze Liber usualis in alter Notation hinterlegt ist. Das gregorianische Regina caeli steht auf Seite 399 dieser *.pdf-Datei. (Vorsicht: Sie hat stolze 115 Megabyte!)

Man kann die gregorianische Fassung des »Regina caeli« übrigens auch unter diesem Link anhören.


Alte Liednummer: 576 Liedanfang: Freu Dich, Du Himmelskönigin Neue Liednummer: 525 Liedtyp: Marienlied

Das Lied ist die einzige verbliebene deutsche Übertragung der Marianischen Antiphon »Regina caeli«. Jede Strophe des Liedes entspricht einer Zeile der Antiphon; naturgemäß mußte dabei der Text etwas umfangreicher werden.


Alte Liednummer: 577 Liedanfang: Maria, Mutter unsres Herrn Neue Liednummer: 530 Liedtyp: Marienlied

Das Lied geht zurück auf die (für den Weihnachtsfestkreis vorgesehene) Marianische Antiphon »Alma Redemptoris Mater«, die auch neu (unter Nr. 666.1) ins Gotteslob aufgenommen wurde.


Alte Liednummer: 582 Liedanfang: O Maria, sei gegrüßt Neue Liednummer: 523 Liedtyp: Marienlied

Eine zu Unrecht vielerorts selten gesungene Vertonung des Ave Maria.


Alte Liednummer: 583 Liedanfang: Ave Maria zart Neue Liednummer: 527 Liedtyp: Marienlied

Der guten Ordnung halber sei erwähnt, daß das abwechselnde Singen (Vorsänger/Gemeinde) im neuen Gotteslob nicht mehr vorgesehen ist. Der Sinn hat mir auch nicht eingeleuchtet.


Alte Liednummer: 584 Liedanfang: Christi Mutter stand mit Schmerzen Neue Liednummer: 532 Liedtyp: Marienlied

Im Prinzip wurde das Lied fast unverändert übernommen. In der 3. Strophe allerdings fand eine Genderung statt, die näher beleuchtet werden sollte. Dort heißt die erste Zeile jetzt »Ach, für aller Menschen Schulden« statt »Ach, für Seiner Brüder Schulden«. Das ist nicht einfach nur gegendert, sondern widerspricht auch sowohl dem Bibeltext (siehe Mt 26, 28 und Mk 14, 24) als auch dem (maßgeblichen) lateinischen Meßbuch, wo es in den Wandlungsworten über das Blut Christi heißt: »qui pro vobis et pro multis effundetur«, also »für euch und für viele« und nicht »für euch und für alle vergossen wird«, wie es im deutschsprachigen Meßbuch heißt und vom pflichtgemäß unkritischen Klerus auch brav vorgetragen wird. Der Gotteslob-Text des Liedes stützt (absichtlich oder unabsichtlich) diese Verfälschung, während der Abdruck des Eucharistischen Hochgebets unter Nr. 588,5 sehr wohl »für euch und für viele« enthält.
Es sei angemerkt, daß durch eigenmächtige Änderung der Wandlungsworte eine Messe ungültig wird, unabhängig davon, ob diese Änderung auf bischöflich autorisierte Meßbuchverfasser zurückgeht oder ob sich jemand einbildet, bewiesen zu haben, daß Jesus natürlich etwas ganz anderes gemeint als gesagt habe. Ich verkneife mir Spekulationen darüber, ob und von wessen Seite Interesse daran bestehen könnte, das Stattfinden gültiger Meßfeiern im deutsch­sprachigen Raum zu verhindern. Wie gesagt, das Meßbuch wurde ja unter Verantwortung der Bischöfe verfaßt und als verbindlich eingeführt.
Der guten Ordnung halber sei angemerkt, was aus dem Gotteslob nicht klar hervorgeht, daß das Lied nur zum Teil abgedruckt wurde, denn es wurden nur vier von zehn Doppelstrophen aufgenommen (die erste, zweite, vierte und sechste); die im Gotteslob als fünfte stehende ist nicht original, sondern eine Übertragung einer Variante der zehnten Strophe des vollständigen Liedes. Diese Variante ist nur im deutschen Sprachraum verbreitet, im ursprünglichen Text aber nicht auffindbar, und wurde zudem beim Übertragen nochmals inhaltlich verfälscht. Der komplette Text (einschließlich des lateinischen Originals und einer älteren Übersetzung von Christoph Martin Wieland) kann unter diesem Link nachgelesen werden.


Alte Liednummer: 589 Liedanfang: Alle Tage sing und sage Neue Liednummer: 526 Liedtyp: Marienlied

Das Lied geht zurück auf den Hymnus »Omni die dic Mariae« des Bernardus Morlanensis, verfaßt in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Hymnus hat ingesamt 19 Strophen, von denen die erste, zweite, vierte und sechste in der Übertragung von Heinrich Bone ins Gotteslob übernommen wurden. Der ganze Hymnus (lateinisches Original und Übersetzung) kann unter diesem Link nachgelesen werden.


Alte Liednummer: 595 Liedanfang: Maria, breit den Mantel aus Neue Liednummer: 534 Liedtyp: Marienlied

Donnerwetter, ist da den Verantwortlichen etwas entgangen? In der 3. Strophe, Zeile 3 und 4 heißt es doch glattweg: »Komm uns zu Hilf in allem Streit / verjag die Feind all von uns weit.« Solch martialische Pasagen wurden anderenorts gnadenlos gestrichen.


Alte Liednummer: 596 Liedanfang: Ave, maris stella Neue Liednummer: 520 Liedtyp: Marienhymnus

Dieser Marienhymnus steht mit drei verschiedenen Melodien im Liber usualis. Die vorliegende ist die erste davon; sie wird bei allen Verweisen innerhalb des Buches genannt, die beiden anderen sind nur als »alius tonus« beziehungsweise »alter tonus« geführt.


Alte Liednummer: 620 Liedanfang: Das Weizenkorn muß sterben Neue Liednummer: 210 Liedtyp: Glaubenslied

Daß das im alten Gotteslob ausdrücklich unter »Leben aus dem Glauben« abgedruckte Lied gewohnheitsmäßig als Kommunionlied zweckentfremdet wurde und sich als solches auch in der neuen Ausgabe wiederfindet, ist möglicherweise von den Verfassern nicht zu verantworten. (Zum Hochzeitsmahl Jesu Christi, überhaupt zu einem Freudenfest, scheint mir insbesondere die Melodie überhaupt nicht zu passen.)
Zweifelhaft erscheint mir aber vor allem der Text: »Das Weizenkorn muß sterben, sonst bleibt es ja allein, / der eine lebt vom andern, für sich kann keiner sein.« ist eine grobe Verfälschung des biblischen Gleichnisses. Dort wird zwar das Wort »monos« verwendet, das in der Tat auf Deutsch »allein« heißt und auch im Sinne von »einsam« gebraucht werden kann. Letzteres ergibt aber keinen Gegensatz zum Fruchtbringen, wie er im zweiten Halbsatz von Joh 12,24 durch Jesus hergestellt werden soll. Der Verfasser, selbst studierter und ordinierter Theologe, sollte wissen, daß das Fruchtbringen in der Einsamkeit nicht nur möglich, sondern in hunderten von Fällen im Lauf der Kirchengeschichte auch geschehen ist. »monos« umschreibt hier also keinerlei Nicht-Eingebundensein in irgendeine Gruppe, Bewegung oder Gesellschaft, sondern nur die Singularität im Gegensatz zu einer rein numerischen Vielzahl.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier (und zwar nicht nur in der ersten Strophe) letztlich dem Postulat nach Anpassung an einen vorgegebenen Mainstream das Wort geredet werden soll. Wer allein zu glauben versucht, ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt – das habe ich in vielen Predigten hören müssen. Es ist aber weder neu noch wahr. Wirkliche Glaubenskrisen bewältigt man durch Selbstdisziplin und Gebet, aber nicht durch soziale Interaktion, auch wenn dann und wann ein von außen herangetragener Gedanke stützend oder initiierend helfen mag. Und sind die Erkenntnisschübe, welche die Menschheit Augustinus, Galilei, Robert Koch und anderen zu verdanken hat, nicht das Ergebnis fruchtbarer Einsamkeit, nicht selten im beschwerlichen Kampf gegen massiven Mainstream-Druck? Die Forderung nach einem Primat für Gemeinsamkeit um jeden Preis (und damit für Anpassung und Manipulierbarkeit) läuft Jesu Anspruch zuwider, Ihm nachzufolgen – Er war schließlich die Unangepaßtheit und Nicht-Manipulierbarkeit in Person.


Alte Liednummer: 639 Liedanfang: Ein Haus voll Glorie schauet Neue Liednummer: 478 Liedtyp: Kirche-Lied

Über die Geschichte dieses Liedes von Joseph Mohr (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Verfasser von »Stille Nacht«) gibt es im Netz viel zu lesen. Unter diesem Link beispielsweise findet sich eine mit geradezu rührendem Eifer erstellte Begründung, warum der Text dieses Liedes nicht der Theologie des Zweiten Vaticanums entspreche und deswegen mit Recht durch einen anderen ersetzt worden sei.
Richtig ist, daß andere Lieder ebenfalls in ihren Aussagen als bedenklich eingestuft werden könnten und gleichwohl im Gotteslob stehen. Nein, meiner Überzeugung nach liegt die Streichung des alten Textes auf einer Ebene mit anderen Streichungen oder Verwässerungen von Liedern, welche die Pflicht zum Kampf gegen die Feinde Christi und Seiner Kirche zum Gegenstand hatten. Im alten Gotteslob wären das etwa Lied 304, Lied 606 oder Lied 616, Strophe 3. Und auf derselben Ebene wie die Tatsache, daß das Wort »Hölle« im Liedgut des neuen Gotteslobs, soweit ich feststellen konnte, fast nicht mehr vorkommt. (Lied 326 ist eine rühmliche Ausnahme.)
Bei dem vorliegenden Lied ist dieser Streichungsvorgang noch ein Stück bedenklicher. Im Dritten Reich wurde es von der oppositionellen katholischen Jugend viel gesungen, auch in der Öffentlichkeit, quasi als Lied gewordener Widerstand. Von den Nationalsozialisten wurde sein Singen in der Öffentlichkeit daher sehr bald unter Strafe gestellt, nicht nur, wie vielfach behauptet wird, wegen der angeblichen Ähnlichkeit der 6. Strophe mit dem Horst-Wessel-Lied. Zahlreiche Jugendliche bezahlten die Mißachtung dieses Verbots mit Gefängnisstrafen und/oder Verwendung im folgenden Krieg für besonders gefährliche Aufgaben (und also vielfach mit dem Leben). Gerade für diese opferbereiten Jugendlichen ist die Streichung des Liedes eine schallende Ohrfeige. Aber auch für alle, die anderweitig den katholischen Glauben unter Einsatz ihres Lebens verteidigt haben (bei Tours und Poitiers, vor Valencia, vor Wien, vor Lepanto, bei Drogheda, in South Bend, ...).
Für alle, die es interessiert (und die so wie ich selbst den alten Text vielleicht auch mitsingen wollen) – hier ist er:

Gar herrlich ists bekränzet / mit starker Türme Wehr,
und oben hoch erglänzet / des Kreuzes Zeichen hehr. / Gott, wir loben Dich...

Wohl tobet um die Mauern / der Sturm in wilder Wut,
das Haus wirds überdauern, / auf Felsengrund es ruht. / Gott, wir loben Dich...

Ob auch der Feind ihm dräue, / anstürmt der Hölle Macht,
des Heilands Lieb und Treue / auf seinen Zinnen wacht. / Gott, wir loben Dich...

Dem Sohne steht zur Seite / die reinste der Jungfraun,
um sie drängt sich zum Streite / die Kriegsschar voll Vertraun. / Gott, wir loben Dich...

Viel tausend schon vergossen / mit heilger Lust ihr Blut,
die Reihn stehn fest geschlossen / ih hohem Glaubensmut. / Gott, wir loben Dich...

Auf, eilen liebentzündet / auch wir zum heilgen Streit,
der Herr, ders Haus gegründet / uns ewgen Sieg verleiht. / Gott, wir loben Dich...

Zugegeben: Die Formulierung »die Reihn stehn fest geschlossen« findet sich ganz ähnlich auch im Horst-Wessel-Lied. Nur: Als Horst Wessel geboren wurde, war das Lied »Ein Haus voll Glorie schauet« schon über 30 Jahre alt. Wer also hat, wenn überhaupt, von wem abgeschrieben? Oder müsen wir demnächst sämtliche Literatur indizieren (einschließlich der Bibel), die irgendwann von einem Nationalsozialisten zitiert wurde? Vielleicht erinnert man sich mal an das römische Prinzip: Abusus non tollit usum – Mißbrauch hebt den Gebrauch nicht auf.


Alte Liednummer: 644 Liedanfang: Sonne der Gerechtigkeit Neue Liednummer: 481 Liedtyp: Kirche-Lied

Eigentlich ein wirklich schönes Lied. Zwei Sachen machen mir persönlich allerdings Bauchschmerzen. Erstens (2. Strophe): »Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit«. Die ganze Christenheit ist verpennt und leblos, da soll Gott mal nur froh sein, daß ich als einer der wenigen wach und aktiv geblieben bin? Das gemahnt mich doch stark an den Pharisäer, der sich in selbstgerechter Weise über den neben ihm betenden Zöllner erhebt. Siehe Lukas, Kapitel 18, Vers 9 bis 14. Diese Strophe pflege ich ganz einfach nicht mitzusingen. Zweitens (3. Strophe): »Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann; sammle, großer Menschenhirt, alles was sich hat verirrt.« Alle, die mit ehrlichem Herzen Gott über evangelische oder orthodoxe Ansätze und Wege suchen, haben sich demnach verirrt? Diese Einstellung ist ja wohl (hoffentlich) längst ausgemerzt.


Alte Liednummer: 653 Liedanfang: Missa de profunctis: Kyrie Neue Liednummer: 513 Liedtyp: Tod und Vollendung

Der Gesang ist der gregorianischen Missa de profunctis entnommen. Sie enthält die Ordinarien und Proprien der Totenmese nach altem Ritus. Im neuen Gotteslob finden sich unter Nr. 512 und 514 noch zwei Elemente dieser Choralmesse. Sie gehört übrigens nicht zu den 18 festen Choralmesen, sondern ist getrennt davon aufgezeichnet; allerdings entsprechen Sanctus und Agnus Dei den gleichlautenden Gesängen aus der 18. Choralmesse (und damit aus der Missa mundi). Lediglich die Melodie des Agnus Dei mußte am Ende geändert werden, da der Text in der Totenmesse nach altem Ritus länger war.

Die vollständige Messe steht u.a. im Liber usualis. Wer Interese daran hat, kann sich unter diesem Link eine *.pdf-Datei herunterladen, in welcher der ganze Liber usualis in alter Notation hinterlegt ist. Die gregorianische Misa de profunctis beginnt auf Seite 2053 dieser *.pdf-Datei. (Vorsicht: Sie hat stolze 115 Megabyte!)


Alte Liednummer: 654 Liedanfang: Mitten wir im Leben sind Neue Liednummer: 503 Liedtyp: Tod und Vollendung

Der Text des Liedes ist eine Übertragung der mittelalterlichen Antiphon »Media vita in morte sumus«. Angeblich entstand auch die im Gotteslob abgedruckte Melodie aus derjenigen des gregorianischen Originals. Ob das glaubhaft ist, kann unter diesem Link beurteilt werden. (Im Liber usualis und im Graduale Romanum kommt diese Antiphon, soweit ich feststellen konnte, nicht vor.)
Der guten Ordnung halber sei erwähnt, daß das abwechselnde Singen (Vorsänger/Gemeinde) im neuen Gotteslob nicht mehr vorgesehen ist. Schade: Das Lied wird wohl hauptsächlich in Totenmessen gesungen, wo viele Besucher anwesend sind, die eher selten in die Kirche gehen. Denselben würde es sicher helfen, wenn jede Melodiezeile erst mal vorgesungen würde, schließlich ist das Lied ja kein Ohrwurm wie »Stille Nacht«.


Alte Liednummer: 659 Liedanfang: O Welt, ich muß dich lassen Neue Liednummer: 510 Liedtyp: Tod und Vollendung

Der guten Ordnung halber sei angemerkt, daß die vorliegende Melodie nach Heinrich Isaac keine feste Taktart hat. Eine solche findet sich erst in späteren Bearbeitungen, von denen eine im neuen Gotteslob steht, nämlich unter Nr. 101 zum Text »Nun ruhen alle Wälder«. Sie wird auch als Alternativmelodie genannt. (Im alten Gotteslob stand sie nirgends.)


Alte Liednummer: 662 Liedanfang: Christus, der ist mein Leben Neue Liednummer: 507 Liedtyp: Tod und Vollendung

Ein vielleicht etwas holpriger Text – man hatte den Originaltext von Melchior Vulpius bereits ein wenig geglättet und die siebte Strophe (»Und laß mich an Dir kleben / wie ein Klette am Kleid / ...«) durch eine ganz neue ersetzt. Den Originaltext einschließlich diverser späterer Bearbeitungen findet man unter diesem Link.


Alte Liednummer: 691 Liedanfang: Vater unser Neue Liednummer: 632.2 Liedtyp: Wechelgesang

Eine (zu Unrecht, wie ich finde) weniger häufig gesungene Alternativmelodie zur ökumenischen unter Nr. 362(alt) bzw. 589.2(neu).


Alte Liednummer: 696 Liedanfang: Bevor des Tages Licht vergeht Neue Liednummer: 663 Liedtyp: Gesang

Das Original »Te lucis ante terminum« wurde angeblich höchstpersönlich von Gregor dem Großen (dem Namensgeber der Gregorianik) verfaßt. Der Liber usualis gibt dazu sage und schreibe zwölf verschiedene Melodien an; die im Gotteslob abgedruckte ist dabei für normale Sonntage und einfache Feste Gedacht.


Alte Liednummer: 703 Liedanfang: In dieser Nacht sei du mir Schirm und Wacht Neue Liednummer: 91 Liedtyp: Abendlied

Die Melodie wurde unangetastet gelassen, obwohl sich nach der zweiten Zeile eine Pausenstreichung plus Notenverkürzung angeboten hätte. Aber bei Abendliedern ist Tempodrückerei wohl absolut unangebracht. Auch der Text blieb wie gehabt, selbst der mit seinen Waffen streitende Schutzengel entging dem Rotstift der »Ecclesia ovorum mollium«. (Kommt in der Dogmatik nicht vor, nur in der Realität.)


Tralala

Tralala

Das Bild zeigt den G-Schlüssel, der zum Beispiel als Violinschlüssel verwendet wird. Das Bild zeigt den nach unten transponierenden G-Schlüssel, der zum Beispiel für Tenorstimmen oder die Gitarre verwendet wird. Das Bild zeigt den nach oben transponierenden G-Schlüssel, der für besonders hohe Töne verwendet wird. Das Bild zeigt den F-Schlüssel, der zum Beispiel als Baßschlüssel verwendet wird. Das Bild zeigt den nach unten transponierenden F-Schlüssel, der zum Beispiel für Kontrabässe verwendet wird. Das Bild zeigt den C-Schlüssel, der in verschiedenen Positionen zum Beispiel für die Bratsche, für hoch spielendes Cello oder generell für alte Musik verwendet wird. Das Bild zeigt eine ganze Note. Das Bild zeigt das Versetzungs- und Vorzeichen Kreuz. Das Bild zeigt das Versetzungs- und Vorzeichen Be. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche, die als Grundlage für veränderbare Bilder dient. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit drei Linien, die als Hilfslinien in veränderbare Notenbilder eingetragen werden können. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit zwei Linien, die als Hilfslinien in veränderbare Notenbilder eingetragen werden können. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit einer Linie, die als Hilfslinie in veränderbare Notenbilder eingetragen werden kann. Das Bild zeigt einen Kreis mit Markierungen, der als Grundlage für die Erstellung einer Quintenzirkel-Graphik verwendet werden kann. Das Bild zeigt eine geschweifte Klammer.