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Tiltelbild für den Bereich Liedgut im neuen Gotteslob

Das neue Gotteslob – Beobachtungen und
Auffälligeiten bei geänderten Liedern

oder: Was auf den ersten Blick nicht auffällt

Lieder verändern sich mit der Zeit. Unsere festen Taktarten zum Beispiel wurden erst mit Beginn der Barockzeit, also um 1600, flächendeckend eingeführt. Beispiele für Lieder ohne feste Taktart sind etwa »Nun singt ein neues Lied dem Herren« oder auch »Nun lobet Gott im hohen Thron«, deren Melodien auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. (Der guten Ordnung halber sei erwähnt, daß es im 20. Jahrhundert eine Rückbesinnung auf diesen alten Stil der Lieder ohne feste Taktart gab.)

Auch Kirchenlieder sind Veränderungen unterworfen. Dafür gibt es viele mögliche Gründe, die hier nicht einzeln aufgeführt werden sollen. Darunter sind zwingende, stichhaltige, logische, unlogische, zweifelhafte und unangemessene, für jedermann und jedefrau was dabei.

Ein wichtiger Grund für die Anpassung ist sicher ganz banal: Man möchte erreichen, daß jeder, der irgendwo eine deutschsprachige Heilige Messe besucht, am Gemeindegesang teilnehmen kann. Folglich müssen ein allgemein verbindlicher Text und eine ebenso allgemein verbindliche Melodie festgelegt werden. Denn vielfach wird ein und dasselbe Lied in regional unterschiedlichen Fassungen gesungen. Das Adventlied »O komm, o komm Emmanuel« etwa singt man in Südwestdeutschland auf eine Melodie, die einer Düsseldorfer Liedsammlung entstammt und vermutlich auf den Kölner Kirchenliedkomponisten Caspar Uhlenberg zurückgeht. Anderswo, insbesondere im Rheinland selbst, werden hingegen statt dieser Melodie vielfach andere gesungen.

Dieses Festlegen allgemein verbindlicher Texte und Melodien hat natürlich bereits vor der Veröffentlichung des alten Gotteslobs stattgefunden. Aber die Verfasser der neuen Ausgabe haben weiterhin Bedarf gesehen, vorhandene Lieder zwar beizubehalten, sie aber in Melodie und/oder Text nochmals nachzubessern. Mir sind dabei folgende Vorgänge aufgefallen:

  • Bei einer Reihe von Liedern wurden Strophen gestrichen. Das hat zum Teil gute Gründe, wie etwa bei »Aus tiefer Not schrei ich zu Dir«, wo die bisherige zweite Strophe nicht wirklich im Einklang mit der katholischen Glaubenslehre steht. Anderswo wäre bei der Streichung einer oder mehrerer Strophen nach dem Sinn zu fragen – warum etwa wurde bei »Es kommt ein Schiff, geladen« genau die Strophe weggelassen, in welcher die Gottesmutter Maria vorkommt? Warum wurde in »Nun freut euch, ihr Christen« die Strophe mit den Engeln und Heiligen entfernt? Will man um jeden Preis irgendein Anecken vermeiden, bei wem auch immer?
  • Bei anderen Liedern wurden Strophen eingefügt. Das geschah insbesondere bei älteren Liedern; man kann davon ausgehen, daß es sich dabei um Ergänzungen aus dem originalen Strophenfundus handelt. (Von »Es ist ein Ros' enstprungen« zum Beispiel gibt es außer den im Gotteslob stehenden drei Strophen noch an die dreißig weitere!) Aber nicht alle dieser eingefügten Strophen sind unbedenklich, siehe etwa in »Ihr Christen, hoch erfreuet euch« die Anmerkungen zur siebten Strophe.
  • Häufig wurden auch nur Formulierungen geändert. Die meisten davon sind für den Sinngehalt der jeweiligen Strophe unerheblich. Häufigste Änderung: Die Zeile »Singt das Lob des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes« in den Antwortgesängen der Vesper wurde durchgängig durch »Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist« ersetzt.
  • Melodien wurden gelegentlich transponiert. Das hat im allgemeinen gute Gründe: Zu hohes Anstimmen der Lieder (Obergrenze normalerweise das zweigestrichene d) überfordert die Gemeindesänger mit normaler Stimmlage; zu tiefes Anstimmen hat einen unnötig dumpfen Klang zur Folge. Sehr komfortabel: Bei Liedern, deren Melodien mehrfach verwendet wurden, werden die letzteren manchmal in unterschiedlichen Tonarten angeboten. Vergleiche etwa im neuen Gotteslob Nr. 354 und Nr. 477 oder 241 und 242. Man beachte dazu, daß es noch vereinzelt Orgeln gibt, die nicht im üblichen internationalen Standard-Kammerton (a' = 440 Hz) gestimmt sind!
  • In anderen Fällen wurden Melodien durch neue ersetzt oder an einzelnen Stellen modifiziert. Es gibt auch einige Versuche, Melodien auf eine »zeitgemäßere« Form zu bringen, etwa bei älteren Liedern durch das rhythmische Umbauen mit dem Ziel, eine feste Taktart zu erhalten. Ob das immer gelungen ist und ob es auch zu einer Verbessserung geführt hat, darüber kann man diskutieren. Wessen Geschmack nicht getroffen wurde, der mag christliche Nachsicht und Barmherzigkeit üben.
  • Sehr zweifelhaft erscheint allerdings eine auf 15 vor allem ältere Lieder angewandte Änderung: Das Streichen von Pausen zwischen den Zeilen. Solche dienten in älteren Liedern oft einer kurzen, stillen und persönlichen Reflexion über das vorher Gesungene. Das war zweifellos eine Umsetzung dessen, was Kirchenmusik nach dem Willen des Trienter Konzils generell zu leisten hat: das andächtige Teilnehmen am liturgischen Geschehen zu fördern und zu erleichtern. Gemeindesänger sind im allgemeinen theologische und musikalische Laien; sie verzichten lieber auf taktliche Exaktheit (wie sie viele Organisten verstehen und durchpauken wollen) als auf angemessene Gelegenheit zur Reflexion. Das hat nichts mit dem zu tun, was ihnen nur zu oft von Kirchenmusikern unterstellt wird: sie würden aus Bequemlichkeit »Asthmatikerpausen« einlegen. Gott sei Dank gibt es Organisten, welche die Unangemessenheit dieses Vorwurfs begreifen und die alten Pausen weiterhin einhalten. Man kann ja nicht diejenigen Gottesdienstbesucher, die Andacht aufzubauen versuchen, für die anderen bestrafen, die tatsächlich bloß zu bequem zum richtigen Singen sind. (Und für diejenigen, die an Weihnachten das einzige Mal im Jahr in die Heilige Messe gehen und dieselbe dann als Forum zum Grölen mißbrauchen. Als hätten sie innerlich noch nicht mit dem vorweihnachtlichen Aufenthalt in der Badewanne abgeschlossen.)
    Übrigens: Auch für die erwähnten Taktdurchzieher unter den Organisten ist es im allgemeinen selbstverständlich, beim Psalmensingen zwischen den Halbversen längere Reflexionspausen zu machen. Und: Selbst Johann Sebastian Bach, unbestrittenermaßen ein konsequenter Verfechter musikalischer Exaktheit, setzte bei vielen seiner Choralsätze an das Ende jeder Zeile eine Fermate. Ich habe sogar noch einen weiteren prominenten Zeugen anzubieten: Michael Haydn, der zu Unrecht lange vom Schatten seines älteren Bruders verdeckt wurde, heute aber von Kennern als ihm gleichwertig geschätzt wird, bearbeitete ihm vorliegende Lieder so, daß die angesprochenen Reflexionspausen nachträglich eingebaut wurden. Bekanntestes Beispiel: Vergleiche Norbert Hauners Originalmelodie von »Tauet, Himmel, den Gerechten«, wie sie zum Beispiel im Eigenteil des Bistums Münster steht, mit Michael Haydns Bearbeitung aus dem Eigenteil der (Erz-)Bistümer Freiburg und Rottenburg. Also bitte.

Insgesamt läßt sich trotz gelegentlicher Bedenken sagen, daß die Mehrheit der Änderungen einen durchaus nachvollziehbaren Sinn hat. Die Mehrheit – einige allerdings sollte man noch mal gründlich hinterfragen. Oder gleich zurücknehmen. Näheres dazu in der Einzelkritik der Lieder.

Tralala

Tralala

Das Bild zeigt den G-Schlüssel, der zum Beispiel als Violinschlüssel verwendet wird. Das Bild zeigt den nach unten transponierenden G-Schlüssel, der zum Beispiel für Tenorstimmen oder die Gitarre verwendet wird. Das Bild zeigt den nach oben transponierenden G-Schlüssel, der für besonders hohe Töne verwendet wird. Das Bild zeigt den F-Schlüssel, der zum Beispiel als Baßschlüssel verwendet wird. Das Bild zeigt den nach unten transponierenden F-Schlüssel, der zum Beispiel für Kontrabässe verwendet wird. Das Bild zeigt den C-Schlüssel, der in verschiedenen Positionen zum Beispiel für die Bratsche, für hoch spielendes Cello oder generell für alte Musik verwendet wird. Das Bild zeigt eine ganze Note. Das Bild zeigt das Versetzungs- und Vorzeichen Kreuz. Das Bild zeigt das Versetzungs- und Vorzeichen Be. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche, die als Grundlage für veränderbare Bilder dient. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit drei Linien, die als Hilfslinien in veränderbare Notenbilder eingetragen werden können. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit zwei Linien, die als Hilfslinien in veränderbare Notenbilder eingetragen werden können. Das Bild zeigt eine rein weiße Fläche mit einer Linie, die als Hilfslinie in veränderbare Notenbilder eingetragen werden kann. Das Bild zeigt einen Kreis mit Markierungen, der als Grundlage für die Erstellung einer Quintenzirkel-Graphik verwendet werden kann. Das Bild zeigt eine geschweifte Klammer.